Wie viel Steuergeld wollen wir zur Abwehr von Wolfsangriffen einsetzen?

Gunter Wild Sächsischer Landtag

Dresden, 11.10.2018. In der Nacht von Montag zu Dienstag, den 09. Oktober 2018, wurden 40 Schafe des Fördervereins für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft e.V. von Wölfen gerissen. Weitere 80 flüchteten panisch. Da diese Mutterschafherde im Auftrag des Freistaates Sachsen Flächen des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft pflegt, wird an diesem Beispiel deutlich, welcher zusätzliche Aufwand und welche finanzielle Belastung die Weidetierhaltung in Wolfsterritorien bedeutet. Im Rahmen der Landschaftspflege für den Freistaat Sachsen werden diese zusätzlichen Aufwendungen letztendlich durch den Steuerzahler ausgeglichen. Bei privaten oder landwirtschaftlichen Weidetierhaltungen ist das jedoch deutlich problematischer.

Gunter Wild, umweltpolitischer Sprecher der Blauen Partei und MdL im Sächsischen Landtag, kommentiert:

„Jedes Jahr im Herbst, wenn die Wolfswelpen beginnen, mit auf die Jagd zu gehen, gibt es zahlreiche Übergriffe von Wölfen auf Schafherden. Herdenschutzmaßnahmen können diese Angriffe zwar eindämmen, jedoch nicht verhindern. Insbesondere deshalb nicht, da auch die Welpen bei jedem erfolgreichen Angriff lernen, Herdenschutzmaßnahmen zu überwinden. Hinzu kommt, dass auch erfolglose Angriffe für Weidetiere reinen Stress bedeuten und es beispielsweise zu Fehlgeburten oder weniger Milchfluss kommen kann.

Viele versteigen sich in der Aussage, dass Weidetierhalter ihre Tiere einfach nur richtig schützen müssten und dann ein einigermaßen friedliches Zusammenleben zwischen Wolf, Mensch und Weitetierhaltung möglich wäre. Über die Realität, den tatsächlichen Zusatzaufwand und die daraus resultierenden Kosten, sind sich jedoch die wenigsten bewusst. Im Rahmen der Landschaftspflege auf staatlich verwalteten Flächen werden diese Kosten durch den Steuerzahler ausgeglichen. Sie sollten dementsprechend gut nachvollziehbar sein. Ich habe daher eine kleine Anfrage (Drs. 6/15041 – Steuerfinanzierte Kosten des Wolfsschutzes beim Erhalt des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, siehe Anhang) gestellt, um eben jene Kosten für den Bürger nachvollziehbar aufzeigen zu können.

Für private oder landwirtschaftliche Weidetierhaltungen fallen diese Kosten genauso an. Der Freistaat Sachsen unterstützt hier bereits im Rahmen von Entschädigungszahlungen und Förderungen von Herdenschutzmaßnahmen, jedoch nicht kostendeckend. Entschädigungen gibt es für gerissene Tiere, die jedoch nicht dem Wiederbeschaffungswert entsprechen. Bei Herdenschutzmaßnahmen werden nur die Anschaffungskosten übernommen. Tierarztkosten und Aufwand bleiben unberücksichtigt. Gleichzeitig sind die Informationsketten nicht ausreichend, um rechtzeitig Wolfsangriffe abzuwehren. Ist der erste Angriff erfolgreich, setzt ein Lerneffekt ein, der auch durch Herdenschutz nicht ausgeglichen werden kann. Und so beschleunigt sich der Trend immer weiter, dass jährlich weniger Weidetiere in Wolfsregionen gehalten werden und Kinder den Bezug zu den Tieren auch auf dem Land verlernen.

Der aktuelle Fall im Biosphärenreservat zeigt offensichtlich, wie sehr die Wolfsvorkommen die Weidetierhaltung in Sachsen erschweren. Diese Zusatzkosten müssen für alle Weidetierhalter, unabhängig ob in der Landwirtschaft oder Landschaftspflege tätig, gleichermaßen getragen werden. Dafür braucht es einen gesellschaftlichen Konsens, bis zu welcher Grenze die Steuerzahler bereit sind, diese zu finanzieren. Unabhängig von der Diskussion um Scheinwölfe und Regulierung, sollten wir den Fall nutzen, um diese Diskussion öffentlich zu führen.“

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