Bildungsticket Sachsen: Hin und her ist schäbiges Spiel auf dem Rücken der Schüler

Nach Informationen der Sächsischen Zeitung prüft die sächsische Staatsregierung ob der schwierigen Finanzierung eines kompletten Bildungstickets inzwischen zwei Ersatzvarianten. Zum einen ein Azubiticket, das für 50 Euro im Monat die Nutzung aller Verkehrsmittel im zuständigen Verkehrsverbund ermöglicht. Für fünf Euro zusätzlich soll auch die Nutzung über die Verbundgrenzen hinweg möglich sein. Für Schüler ist ein Freizeitticket im Gespräch, das zusätzlich zu den weiterhin anfallenden Schulbuskosten gekauft werden kann. Für zehn Euro sollen Schüler alle Angebote ihres Verkehrsverbundes nutzen können.

Andrea Kersten, Bildungsexpertin, MdL der Blauen Partei aus Mittelsachsen, kommentiert:

„Es zeugt von einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Eva-Maria Stange am Dienstag in Dresden ein landesweites Konzept zur kulturellen Kinder- und Jugendarbeit vorstellte, mit dem Kinder auf dem Land künftig die Möglichkeit gegeben werden soll, ohne hohe Kosten in die nächste Stadt zu kommen, um dort kulturelle Bildung zu erfahren. Die bisherige Praxis, die an viel zu hohen Kosten scheitere, müsse ein Ende haben, sagt Frau Stange. Da hat sie Recht. Aber die Kinder und Jugendlichen werden sich das auch in Zukunft wohl zweimal überlegen müssen, weil Stanges Parteigenosse Martin Dulig noch immer über der Finanzierbarkeit des landesweiten Bildungstickets brütet. Mehr noch: Kulturelle Angebote sollen für alle Mädchen und Jungen im Freistaat künftig kostenlos sein. Wenn die Finanzierung funktioniert.

Es scheint, als habe vor allem die SPD einen großen Spaß daran, den Bürgern des Freistaates, in diesem Fall den Kindern, Welten voller Milch und Honig zu versprechen. In ihrem perfekten Bild zahlt der Staat für alles und jeden – bis man plötzlich merkt, dass die Kassen leer sind.

Warum die Staatsregierung erst im Januar dieses Jahres vollmundig tönt, ein komplettes Bildungsticket werden kommen, nun aber plötzlich wieder davon abrückt, erschließt sich nicht. Dass das Ticket mit geplanten monatlichen Kosten von etwa zehn bis 20 Euro je Schüler teuer werden würde, war den Verantwortlichen stets bewusst. Und falls nicht, sollten die Sachsen am politischen Durch- und Weitblick der Koalitionäre erheblich zweifeln. Es ist jetzt endlich Zeit, ein umfassendes Bildungsticket auf den Tisch der Schüler und Azubis zu legen, ohne Rücksicht auf alle möglichen Bedenkenträger. Dann braucht es auch kein Geld für ein Konzept zur kulturellen Kinder- und Jugendarbeit, welches es der Landjugend ermöglicht, günstig in die Stadt zu kommen. Denn das wäre dann schon durch das Bildungsticket möglich.“

25.10.2018

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